2013

Teilnehmer des Projektes 2013 mit Ilse Heinrich und Charlotte Kroll:

Eric Aßenmacher, Tobias Brühl, Felix Fenske, Lukas Gellinger, Vicky Haubold, Nils Helmke, Sebastian Iskraut, Annemarie Muschick, Tanja Panick, Felix Pförtner, Ludwig Platz, Johanna Viktor, Marvin Wagner

 

INTERVIEW MIT EINEM PROJEKTTEILNEHMER

Tobias, welche Motivation hattest du an dem Projekt Ravensbrück teilzunehmen?

Mein Sozialkundelehrer fragte mich im November, ob ich Interesse hätte, an einer Projektwoche im Konzentrationslager (KZ) Ravensbrück teilzunehmen. An das KZ Ravensbrück war auch ein Siemens-Arbeitslager angegliedert. Besonders die Möglichkeit zwei Zeitzeuginnen kennenzulernen und Interviews zu führen, reizte mich. Die Projektergebnisse sollten später präsentiert und die bereits bestehende Website erweitert werden.

Hast du vorher schon einmal ein KZ besucht oder Zeitzeugen getroffen?

Nein. Der Besuch in Ravensbrück ist mein erster Besuch in einem KZ gewesen und auch Zeitzeugen hatte ich noch nie getroffen. Ich hatte mich schon vorher mit Literatur und Dokumentationen zum Thema Nationalsozialismus befasst. Daher war ich sehr gespannt darauf, die Zeitzeuginnen persönlich kennenzulernen und zu erleben. Natürlich konnte man auf der Website „Projekt-Ravensbrück“ schon Interviews mit Zeitzeugen lesen, die von Schülern der Werner-von- Siemens-Werkberufsschule aus den letzten Jahren geführt wurden. Aber die Chance, gleiche oder ähnliche Erfahrungen zu machen, wollte ich auf keinen Fall verpassen.

Wie waren deine ersten Eindrücke in Ravensbrück?

Wir kamen am Montagmittag in der Jugendherberge und Gedenkstätte Ravensbrück an. Die Zeitzeuginnen waren noch nicht eingetroffen, also gingen wir direkt zum Mittagessen. Als ich nach dem Mittagessen nach draußen ging, fuhren die beiden Damen gerade vor. Ich half ihnen aus dem Auto und geleitete Eine der Beiden zum Haus, da es geschneit hatte. Das Erste, was Charlotte Kroll zu mir sagte, war, dass sie nicht mehr richtig laufen könne als Spätfolge ihrer Zwangsarbeit bei Siemens und der Zeit im KZ.

Wie hast du die Führungen im Hauptlager und des ehemaligen Siemensgeländes erlebt?

Die Führung durch das Hauptlager hatten wir gleich zu Beginn der Projektwoche am Montag. Der größte Teil der Baracken und die „Empfangsgebäude“ der Neuankömmlinge standen nicht mehr oder es waren nur noch die Fundamente vorhanden. Da es in den Tagen zuvor und auch in den folgenden Tagen stark geschneit hatte, konnte man diese jedoch nur erahnen. Matthias erzählte, wie die Häftlinge auf dem Platz zwischen den Baracken jeden Tag Appell stehen mussten. Selbst uns, die alle wetterfest gekleidet waren, wurde auf dem Gelände bei ca. -5°C sehr schnell kalt. So bekamen wir einen ersten Eindruck, welchen unmenschlichen Bedingungen die Häftlinge damals ausgesetzt gewesen sein mussten.

Was habt ihr noch erlebt?

Ja. Wir besichtigten noch das Häftlingsgefängnis und das Krematorium. Es war sehr bedrückend, die dort begangenen Gräueltaten erzählt zu bekommen. Es ist etwas anderes, etwas über diese Orte zu lesen und zu hören oder diese selbst zu besichtigen.

Was kannst du über das Siemens-Arbeitslager erzählen?

Das Siemens-Arbeitslager besichtigten wir am nächsten Tag. Das Lager war etwa einen Kilometer vom Hauptlager entfernt. Hier war nicht so viel zu sehen, da die ehemaligen Baracken und Produktionshallen fast alle abgerissen worden waren und das Gelände durch die Rote Armee nach dem Krieg umgestaltet worden war. So konnten wir nur noch die Grundrisse und Fundamente einiger Produktionshallen besichtigen.

Wie waren deine Erlebnisse und Eindrücke mit und von den Zeitzeuginnen?

Charlotte Kroll und Ilse Heinrich waren beide sehr nette, freundliche Menschen und es war sehr interessant, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Es war sehr bewegend, ihre beiden Lebensgeschichten und ihre Schicksale in Ravensbrück zu hören.

Wie habt ihr die nächsten Tage verbracht?

Schon während der Vorbereitungstreffen vor der Projektwoche hatten wir eine grobe Aufgabenverteilung vorgenommen. Wir waren insgesamt 15 Leute in unserer Gruppe. Einige übernahmen die Interviews mit Charlotte Kroll und Ilse Heinrich. Andere kümmerten sich um die Weiterentwicklung der Website, schnitten und bearbeiteten die ntstandenen Videos und Fotos oder arbeiteten im Archiv, um noch mehr über das Arbeitslager zu erfahren. Die vorhandenen Quellen sind riesig, sodass viele Daten heutzutage immer noch nicht ausgewertet sind und man sich leicht in den umfangreichen Archiven verlieren kann.

Womit hast du dich beschäftigt?

Ich habe mich mit dem Loretta-Walz-Videoarchiv beschäftigt. Dort sind Videos von verschiedenen Zeitzeuginnen zum Thema Ravensbrück. Ich wollte mich speziell über die Arbeit im Arbeitslager von Siemens informieren. Die Arbeit im Videoarchiv war sehr interessant, leider konnte ich jedoch nur wenig neue Informationen gewinnen, die für die Website geeignet gewesen wären.

Wie werden eure Projektergebnisse dokumentiert bzw. präsentiert?

Der größte Teil der Arbeit fließt natürlich in die Erweiterung der Website. Aber wir hatten am Ende der Woche auch eine Abschlusspräsentation. Dort konnten wir bereits erste Arbeitsergebnisse der Woche präsentieren. Auch am Diversity-Day (im Juni) werden wir unsere fertigen Ergebnisse und das Projekt insgesamt vorstellen.

Welches Fazit ziehst du aus der Projektwoche und würdest du nochmal teilnehmen?

Es war eine sehr spannende und interessante Woche. Zwei Menschen zu erleben, die trotz ihrer Vergangenheit so lebenslustig und sympathisch sind, war beeindruckend. Daher hat sich die Teilnahme an der Projektwoche trotz des bedrückenden Themas und der vielen Arbeit zu jeder Zeit bezahlt gemacht und ich würde immer wieder teilnehmen. Auch vor Ort hat die gegebene Zeit längst nicht ausgereicht und ich würde gerne noch mehr lernen und erkunden.