Erlebnisse der Häftlinge im Zusammenhang mit Siemens

,,Die Arbeit spielt sich in zwei Schichten ab: zwölf Stunden für die Tagschicht mit einer Mittagspause für die Suppe, und zwölf Stunden Nachtschicht mit einer Viertelstunde Pause um Mitternacht. Tag und Nacht arbeiten die Sklavinnen Vollzeit, ohne Unterbrechung, nicht mal für den Gang zur Latrine.

Krankheitsbedingt fehlende Arbeiterinnen werden sofort ersetzt, unproduktive werden entlassen und durch andere in körperlich guter Verfassung ersetzt. Nur gute Arbeiterinnen, die Ertrag bringen und wegen Krankheit allenfalls kurz ausgefallen sind, werden nach ihrer Genesung wieder eingestellt, aber sobald sie den Arbeitsrhythmus nur ansatzweise verlangsamen, schafft man auch sie sich vom Halse.“

– Lidia Beccia Rolfi * 1925, Italienerin

Siemens: Oktober 1944 – April 1945, Halle 8

 

 

[…] Die Nachtschicht geht von 6 Uhr abends bis um 6 Uhr morgens, regelmäßig mit einer Viertelstunde Pause um Mitternacht und [100]vielen Pausen außerdem Reihe, sobald Fliegerallarm ausgelöst und das Licht in den Hallen gelöscht wird […].“

– Lidia Beccia Rolfi * 1925, Italienerin

Siemens: Oktober 1944 – April 1945, Halle 8

 

 

„[…]Die Nachtarbeit war sehr anstrengend, man musste im Kunstlicht die Augen sehr anstrengen. Die Arbeit selbst war nicht sehr schwer, sie erforderte Konzentration, da es Präzisionsgeräte waren.[…]“

– Barbara Zajączkowska-Rubinstein * 1926, Polin

Arbeitsbeginn bei Siemens unbekannt, Halle unbekannt

 

 

„[…] In der einstündigen Mittagspause marschierten wir in schnellem Tempo zum alten Lager, stürzten in die Blöcke hinein und nutzten als Siemensarbeiter den Vorteil, daß wir unsere Blechschüsseln vor den anderen gefüllt bekamen. Wir hatten zwanzig Minuten Zeit zum Essen, zur Toilette zu gehen und die Hände zu waschen. […]“

 

„[…]Schon im Sommer war für uns die Nachtschicht eingeführt worden. […] ,wo wir elf Stunden arbeiten mußten und nur eine halbstündige Pause um Mitternacht hatten. […]“

– Astrid Blumensaadt (geb. Pedersen) * unbekannt, Dänin

bei Siemens vom 19.12.1943 – 08.04.1945, Halle unbekannt

 

 

„[…] Und da bin ich dann hinaufgekommen zu Siemens. Und dort, ja nachdem ich kleine Hände gehabt habe, da sind Flugzeugbestandteile hergestellt worden. Eben weil ich die kleinen Hände gehabt habe für die kleinen Sachen, bin ich zum Spritzen gekommen, sagen wir halb eins, eins in der Früh, bin ich ihnen immer zusammengefallen, ich war ganz allein in einem Riesenraum. Da war so ein Waschtrog, so ein Riesenwaschtrog war da, mit Aceton, zum Reinigen für alles, und jetzt hast du nichts im Magen, Fenster, ich weiß gar nicht, ob es überhaupt eines gegeben hat. Wenn, dann hättest du es nicht aufmachen dürfen wegen der Verdunkelung. lch bin ihnen jede Nacht zusammen gefallen. ln derTüre ist so ein Glasfenster gewesen und wenn die SS durchgegangen ist und Kontrolle gemacht hat und wenn sie mich nicht hat stehen gesehen, dann hat sie gewußt, daß ich wieder zusammen gefallen bin. Also alle die dort Dienst gemacht haben sind herein gekommen und haben mich angeschüttet mit einem Kübel Wasser und dann habe ich wieder weiter gespritzt. Bis sechs Uhr in der Früh war meine Schicht und ich, waschelnaß und so mußte ich, gleich von der Fabrik um sechs Uhr in der Früh zum Zählappell. „

– Regina Chum (geb. Waringer) * 1923, Österreicherin

Siemens: ab Mitte 1944 – Ende März 1945, Halle unbekannt

 

 

„1500 Häftlinge marschierten täglich in die Arbeitsbaracken der Siemenswerke, die unter dem Schutz des Lagers Instrumente für Flugzeuge und Schiffe herstellten. Nun sollten auch die Wohnbaracken für Siemenshäftlinge der Vollendung entgegengehen. Damit würde ich von meiner lieben tschechischen Freundin getrennt werden. Nach langen Verhandlungen mit meinem Vorgesetzten runter Angabe meines Gesundheitszustandes gelang es mir, von dem alten Posten als Anweisung wegzukommen, um mich bei Siemens im Betriebsbüro zu bewerben. Kurz vor dem Heiligen Abend 1944 konnte ich den Umzug ausführen und wiederum an der Seite meiner lieben Lagerkameradin das Leben erträglicher gestalten. Es bedurfte einer Umstellung für ein völlig neues Arbeitsgebiet und da mir technische Dinge von Natur aus nicht liegen, bereiteten mir am Anfang die technischen Berechnungen auch ordentlich Kopfzerbrechen.“

– Gertrud Popp * unbekannt, Deutsche

Siemens: ab Dezember 1944 – Entlassung am 21. April 1945, Halle unbekannt

 

 

Irma Trksak hat in Ihrer Zeit im Siemenslager in Halle 3 – Relaisbau gearbeitet.

Ihre Aufgabe bestand darin, Diagramme zu erstellen, die die Leistungen der Häftlinge darstellte, wie viel am Tag produziert wurde und ob sich die Leistung der Häftlinge verändert hat. Trksak hat um andere Häftlinge zu schützen, diese Statistiken verfälscht und beim Übersetzen gelogen.

„[…]Und das musste ich eintragen und Kurven zeichnen. Ob sich ihre Leistung erhöht oder ob sie schwächer wird und so weiter. Natürlich haben wir versucht auch zu schwindeln. Wir haben denen, die viel gemacht haben weggenommen, damit die Summe stimmt, und denen, die weniger gemacht haben, haben wir ein bissel dazu gegeben um die Frauen zu schützen. […] Oder ich hab gedolmetscht zwischen Russisch und Deutsch, wenn der Meister was gesagt hat, was nicht so war für den Häftling, hab ich das abgeschwächt und umgekehrt. Also, immer auszugleichen damit den Häftlingen nichts trifft, nichts böses, damit er nicht bestraft wird mit Kostenentzug oder irgendwie Entlassung sogar aus der Firma.“

– Irma Trksak * 1917, Österreicherin

Siemens: Ende Oktober 1942 – Januar 1945, Halle 3, dann Stubenälteste Siemenslager

 

 

„Die Arbeitszeit war von 6:30 Uhr bis 19:30 Uhr mit einer einstündigen Mittagspause. Doch es kam vor, dass wir bis 22 Uhr arbeiten mussten, die Sonntage eingeschlossen. Andere Häftlingsfrauen mussten schweißen, Schutzbekleidung gab es nicht. Die Frauen hatten weder Schutzbrillen, noch Handschuhe oder Schürze. Andere Frauen arbeiteten an der Galvanisierung, auch ohne Schutz, dort wurden Metalle mit Säuren geprüft. Die Frauen zogen sich Brandwunden zu, hatten Sehschwächen mit geröteten und geschwollenen Augen. Wenn sich eine Frau ins Krankenrevier meldete, wurde sie mit einem Fußtritt davon gejagt. Anfangs waren wir 500 in dieser Fabrik, nach einem Jahr war diese Zahl auf 8000 angewachsen.[…]“

– Janina Pawlak * 1914, Polen

Siemens: April 1942 – November 1944, Halle unbekannt