Ilse Heinrich

ilse-zietz.png

Am 17.07.1924 wurde Ilse Zietz in Hornsdorf bei Wismar geboren. 1930 starb ihre Mutter an Tuberkulose. Nach einiger Zeit heiratete ihr Vater erneut. Das Verhältnis zu ihrer Stiefmutter war schlecht. Sie sorgte dafür, dass ihre Stieftochter zur Feldarbeit eingesetzt wurde. Ilse riss mehrmals aus, wurde schließlich von ihrer Stiefmutter vor die Tür gesetzt und fand Unterschlupf in verschiedenen Bauernfamilien. Sie wurde schließlich von der Polizei aufgegriffen und als „arbeitsscheu“ bezeichnet.

Am 03.11.1943 wurde sie in das Landesfürsorgehaus Güstrow gebracht. Dann wurde sie am 03.08.1944 in das KZ Ravensbrück transportiert. Dort angekommen, wurden den Frauen die Haare abrasiert und alle Privatsachen abgenommen. In der Schneiderei des KZ musste sie Zwangsarbeit leisten und Tarnanzüge für die SS nähen. Während ihrer Arbeit wurde sie von den Aufsehern schwer misshandelt. Außerdem musste sie mit den anderen Frauen ganze Tage lang Appell stehen, wenn eine ausgerissen war. Dann wurde ihnen die von den Hunden zerfetzte Leiche vor die Füße geworfen, die sie sich anschauen mussten. So würden auch sie enden, haben ihnen die Aufseherinnen gedroht. 1945 musste sie ins Krankenrevier verlegt werden, wo grauenhafte Experimente mit den Häftlingen gemacht wurden. Ilse erlebte, wie junge Sinti und Roma sterilisiert, Polinnen Knochen aus den Beinen geschnitten oder Wunden absichtlich infiziert wurden. Ilse merkte nicht was um sie herum geschah, sie war wie in einer Trance.

Kurz darauf erfolgte die Befreiung aus dem KZ. Sie konnte sich mithilfe einer Häftlingskrankenschwester aus dem verlassenen Lager schleppen. Ergreifend schildert Ilse, wie sie auf allen Vieren an offenen Massengräbern vorbei kriechen musste. Sie schaffte es jedoch nicht weit und ließ sich in dem ersten Lagerführer Haus direkt hinter den Mauern des KZ nieder. Wenig später ritten die ersten Russen ein. Sie vergewaltigten die vollkommen ausgemergelte Ilse und die Krankenschwester, bis höhere Offiziere ankamen und für Ordnung sorgten. Nach 14 Tagen, die sie bei den Russen verbringen musste, um zu Kräften zu kommen, kehrte sie nach Hause zurück. Von ihrer Familie wurde sie nicht mehr aufgenommen. Ihre Stiefmutter empfand sie als eine Belastung, weshalb sie wieder von Familie zu Familie wandern musste.

In der Zeit von 1944-45 arbeitete sie im Arbeitshaus Güstrow. 1947- 48 arbeitete sie in einer Holzfabrik, 1949 erhielt Ilse in Güstrow eine Stelle als Küchenhilfe in einem Heim. 1951 heiratete Ilse, zog nach Westberlin und gründete eine Familie. Sie wurde jedoch weiterhin aufgrund ihrer im dritten Reich gegebenen Bezeichnung als „Arbeitsscheue“ von der Polizei verfolgt und stand unter ständiger Beobachtung des Jugendamtes.

Ab 1995 erzählte Ilse in Gesprächsrunden Jugendlichen ihre Lebensgeschichte . Im Jahr 2010 wurde ihr der Verdienstorden des Landes Brandenburg verliehen.

2014 wurde Ilse die “Medaille zur Anerkennung von Verdiensten für das Gemeinwesen” verliehen.