Charlotte Kroll

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Am 06.03.1922 wurde Charlotte Görner als älteste von drei Kindern in Freital in Sachsen geboren. Sie wuchs in guten Verhältnissen auf und hatte viele Freiheiten. 1941 – Charlotte war 19 Jahre alt – gebar sie ihre Tochter. Kurz darauf heiratete sie ihren Mann und zog nach Hamburg. Dieser wurde allerdings schon bald zur Wehrmacht einberufen, woraufhin Charlotte zurück zu ihren Eltern zog .

1942 begann sie in einem Rüstungsbetrieb zu arbeiten, während ihre Tochter bei den Großeltern blieb. Ihre Aufgabe war es, russische Zwangsarbeiterinnen in die Arbeit einzuweisen. Einer schwangeren Zwangsarbeiterin gab sie alte Kinderkleidung ihrer Tochter. Einen Tag später wurde sie verhaftet.

Zwei Tage verbrachte Charlotte im Gefängnis in Freital. Anschließend wurde sie ins Dresdener Gefängnis verlagert, in dem sie ein Jahr, bis 1943, inhaftiert war.

Im Sommer 1943 wurde Charlotte nach Ravensbrück abtransportiert. Dort angekommen wurden ihr die Haare abrasiert und alle persönlichen Gegenstände weggenommen. Erst als sie die abgemagerten Frauen im Lager sah, konnte sie begreifen, was ihr bevorstand. In der Näherei des KZ musste sie Zwangsarbeit leisten und wurde von den Aufseherinnen misshandelt, bis sie nach kurzer Zeit in das Siemenslager abgezogen wurde. Hier musste sie justieren. Auch bei dieser Arbeit wurden die Häftlinge immer wieder aus unerklärlichen Gründen durch die Aufseherinnen geschlagen. Charlotte und ihre Mithäftlinge versuchten heimlich die Produktion zu sabotieren, indem sie Maschinen oder Werkzeuge verstellten. Während des Jahres bei Siemens fand Charlotte eine Freundin, mit der sie ihr Brot teilen konnte. Sie halfen sich gegenseitig und gaben sich Kraft. Charlotte hatte immer mal wieder heimlichen Kontakt mit anderen Häftlingen. Sie erfuhr von einer Zeugin Jehovas, dass diese jeden Samstag zum Brot Blutwurst erhielten. Da die Zeugen Jehovas keine Blutwurst essen und diese regelmäßig wegwarfen, konnte Charlotte ein paar Würste mitnehmen. Sie durfte sich aber unter keinen Umständen erwischen lassen, sonst wäre sie zu Tode geprügelt worden.

Im Sommer 1944 wurde sie überraschend aus dem KZ Ravensbrück entlassen. Sie erhielt ihre Kleidung zurück und fuhr nach Hause. Ihre Ehe war während ihrer Haft automatisch geschieden, ihre Tochter in ein Heim verbracht worden. Erst Jahre später wurde ihr bewusst, dass sie wegen des Geschenks an die russische Zwangsarbeiterin verhaftet wurde.

Im Jahr 1945 zog sie nach Hamburg, heiratete erneut und bekam eine Wohnung. Ihre Tochter konnte wieder zu ihr zurück. 1950 gebar sie eine zweite Tochter. Kurze Zeit darauf ließen sie sich wieder scheiden und Charlotte zog abermals – mit nunmehr zwei Töchtern – zu ihren Eltern nach Freital.

Noch vor dem Mauerbau zog sie mit ihrer Mutter nach Westberlin. Erst im Jahr 1998 erhielt Charlotte ein Entschädigungszahlung von Siemens. Im Jahr 2010 erhielt sie für ihr Engagement als Zeitzeugin den Verdienstorden des Landes Brandenburg. 2014 wurde Charlotte die “Medaille zur Anerkennung von Verdiensten für das Gemeinwesen” verliehen.